Der Atem des Lebens – über die Kraft, die uns trägt
- Isa Hi
- 25. Okt. 2025
- 4 Min. Lesezeit

Ein Beitrag von Isabella Hierzegger
🜂 Ein Text über den Atem als Weg zur Präsenz, zur Stille und zum Leben selbst.
🌸 Einleitung – Wenn der Atem uns erinnert
Hin und wider vergessen wir zu atmen. Nicht, weil wir es nicht könnten – sondern, weil das Leben zu laut, zu eng, zu viel geworden ist. Der Atem zieht sich zurück, wird flach, leise, kaum spürbar. Und doch bleibt er da – geduldig, unermüdlich, wie eine unsichtbare Hand, die uns hält, selbst wenn wir sie nicht wahrnehmen.
Und mitunter raubt uns auch etwas den Atem – ein Schock, ein Verlust, ein Moment, in dem das Leben zu groß wird, um ihn einfach weiterfließen zu lassen.
Aber auch ein Anblick kann atemberaubend sein – ein Sonnenaufgang, ein Blick in vertraute Augen, ein Moment, der die Welt für einen Moment anhält.
Der Atem ist der erste Impuls, mit dem wir hier ankommen – und der letzte, mit dem wir wieder gehen. Zwischen diesen beiden Momenten webt er unsere gesamte Geschichte. Er begleitet jeden Verlust, jede Freude, jede Entscheidung. Er ist da, wenn wir lieben, wenn wir kämpfen, wenn wir loslassen. Und manchmal – wenn wir ganz still werden – spüren wir: Er trägt uns, selbst dann, wenn wir es längst vergessen haben.
💫 Atemarbeit – Einladung ins Bewusstsein
Der Atem ist weit mehr als ein physiologischer Vorgang. Er ist ein Spiegel des Lebens, ein inneres Barometer, ein Kommunikationsweg zwischen Körper, Geist und Seele. Mit jedem Atemzug verändern sich Herzfrequenz, Hormone, Emotionen, Gedanken. Er beeinflusst, wie wir fühlen, denken, schlafen, lieben.
Doch in Wahrheit ist er noch mehr: eine Brücke, über die Bewusstsein in Bewegung kommt. Wenn wir bewusst atmen, geschieht in Sekunden, was Worte oft nicht erreichen. Der Atem senkt den Puls, beruhigt das Nervensystem, löst festgehaltene Energie und öffnet emotionale Räume, die lange verschlossen waren.
Er führt uns vom Denken ins Fühlen – vom Kopf in den Körper, vom Tun ins Sein. Alte Traditionen wussten das längst. In Indien nannte man ihn Prana – Lebenshauch, Träger der Energie. In China Qi, das fließende Prinzip der Lebenskraft. In der jüdischen Mystik Ruach, der Geist des Lebens. In allen Kulturen galt der Atem als heilig – als das Unsichtbare, das alles verbindet.
Auch moderne Forschung bestätigt, was Mystiker seit Jahrtausenden lehren: Bewusster Atem kann das Nervensystem regulieren, Stresshormone senken, Herz und Gehirn in Synchronität bringen. Er beeinflusst Stoffwechsel, Emotion und Wahrnehmung – und wirkt damit auf Körper, Geist und Seele zugleich.
🌿 Der Atem zwischen Wissenschaft und Spiritualität
Es gibt viele Wege, diesen Raum zu erforschen. Yogische Atemtechniken wie Pranayama lenken Energie und klären den Geist. Das Holotrope Atmen öffnet tiefe Bewusstseinsschichten, in denen verdrängte Erfahrungen und innere Bilder auftauchen können. Das Transformational Breath oder die sanfte Buteyko-Methode lehren den natürlichen Fluss, beruhigen das Nervensystem und schenken neue Lebenskraft.
Die Achtsamkeitsatmung des Zen führt in Stille – zu jener Weite, in der nichts getan werden muss. Und die moderne Wissenschaft liefert uns faszinierende Einsichten: Bücher wie „Breath“ von James Nestor oder die Arbeit von Wim Hof zeigen, dass bewusste Atmung ein Schlüssel zur Selbstregulation und zu mehr Lebensenergie sein kann.
Auch Pioniere wie Ilse Middendorf („Der erfahrbare Atem“) oder Leonard Orr („Rebirthing Breathwork“) betonen, dass Atemarbeit nicht nur Aktivierung, sondern auch Hingabe bedeutet. Mal dynamisch, mal still – aber immer als Rückkehr in die Lebendigkeit.
🌙 Der Atem in der Rückführung – Brücke zwischen den Welten
Auch in spirituellen Rückführungen spielt der Atem eine stille, aber entscheidennde Rolle. Er ist die Brücke zwischen Hier und Dort – zwischen dem Körper, der im Jetzt ruht, und der Seele, die sich an andere Zeiten erinnert.
Ein ruhiger, bewusster Atem hilft, in die Tiefe zu gehen, ohne sich zu verlieren. Er hält die Verbindung zum Jetzt, während innere Bilder, Gefühle oder Erinnerungen auftauchen.Oft verändert sich der Atem ganz von selbst – wird tiefer, weiter, ruhiger.
Manchmal begleitet er den Moment des Erinnerns, manchmal den des Loslassens. Und wenn die Seele etwas Altes erkennt oder versteht, ist es oft der Atem, der zuerst reagiert – mit einem tiefen Seufzer, einem Aufatmen, einem leisen Frieden.
Der Atem ist das, was uns durch jede Erfahrung trägt – in diesem Leben und darüber hinaus.
🌾 Dankbarkeit für den Atem
Atmen zu können ist nichts Selbstverständliches. Wir tun es unzählige Male am Tag, ohne es zu bemerken – bis etwas nicht mehr so funktioniert, wie es sollte. Erst dann wird uns bewusst, wie wertvoll jeder Atemzug ist.
Wer bewusst atmet, spürt oft, dass in dieser einfachen Bewegung etwas Heiliges liegt. Der Körper arbeitet beständig, still und treu, ohne dass wir ihn darum bitten. Er trägt uns durch Tage, durch Jahre, durch Höhen und Tiefen.
Manchmal lohnt es sich, innezuhalten – und sich innerlich beim eigenen Körper zu bedanken. Für dieses unermüdliche Atmen. Für das Leben, das er möglich macht.
Dankbarkeit öffnet das Herz und vertieft den Atem. Und vielleicht ist das schon der erste Schritt: nicht mehr nur zu atmen, sondern dankbar zu atmen.
🌬️ Nachwort
Ich durfte schon bei den ersten Atemzügen des Lebens dabei sein – kraftvoll, voller Staunen und voller Wunder.
Und ich durfte letzte Atemzüge begleiten – manchmal still und friedlich, manchmal nach einem langen Weg voller Anstrengung, Schmerz oder Abschied.
Nicht jeder Moment war leicht, und doch lag in allem etwas Kostbares – eine Wahrheit, die man nicht erklären kann. Manchmal war es Erlösung, manchmal zu früh, manchmal schlicht unfassbar. Aber immer war da eine besondere Stille, ein Raum, in dem das Leben selbst noch einmal spürbar wurde – jenseits von Worten.
Beides zu erleben, verändert den Blick auf das Leben. Denn zwischen diesen beiden Atemzügen liegt alles – und doch ist es derselbe Atem, der uns alle verbindet.
© Isabella Hierzegger – Spirituelle Rückführungen
✅ Rechtlicher HinweisDieser Text ersetzt keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung. Atemarbeit dient der Selbsterfahrung, Bewusstwerdung und Entspannung.





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