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🌾 Weil Echtheit die leise Form von Mut ist

Eine geöffnete Hand hält ein helles Herz aus Keramik. Das Licht fällt weich auf die Haut und betont die warme, ruhige Stimmung. Das Motiv steht sinnbildlich für Menschlichkeit, Echtheit und leisen Mut.
Eine geöffnete Hand hält ein helles Herz aus Keramik. Das Licht fällt weich auf die Haut und betont die warme, ruhige Stimmung. Das Motiv steht sinnbildlich für Menschlichkeit, Echtheit und leisen Mut.



Die Schlange an der Kassa ist lang, die Stimmung kurz davor zu kippen. Das Gerät piept beleidigt, der Pfandbon wird immer wieder eingelesen und ausgespuckt, und man kann fast hören, wie in den Köpfen der Wartenden das Wort „ernsthaft?“ Form annimmt. Da sagt einer von hinten, trocken, aber freundlich:„Lassen Sie sich Zeit, wir planen hier eh schon gemeinsam den Sommerurlaub.“

Ein paar drehen sich um, lachen. Jemand ruft: „Oder wir gehen nachher alle was trinken – wir kennen uns jetzt eh schon so gut!“ Und plötzlich lachen alle. Die Kassiererin, die Kundin mit den übervollen Taschen, sogar der Mann, der vorher noch genervt die Uhr im Blick hatte. Für einen Moment atmet alles auf.

Diese kleine, zufällige Gemeinschaft an Kassa drei hat sich von Ärger auf Heiterkeit umgestellt – ohne Ansage, ohne Moral, einfach so. Weil jemand Humor hatte. Weil jemand menschlich geblieben ist. Niemand hat etwas Großes getan, aber jemand hat etwas Gutes bewirkt. Und vielleicht beginnt genau da, was wir verlernt haben: sich für etwas einzusetzen, ohne laut zu werden, ohne Drama, ohne Bühne – einfach durch Wärme, Humor und Echtheit.

Sich einsetzen heißt nicht, die Welt zu retten. Es heißt, nicht gleichgültig zu sein. Zu merken: Ich bin Teil davon. Ich kann, hier und jetzt, entscheiden, ob etwas kälter wird oder heller. Manchmal ist das Mut, manchmal nur ein freundlicher Satz, manchmal einfach das Nicht-Wegsehen. Und manchmal ist es Humor, der für einen Moment alles kippen lässt – vom Ärger ins Lächeln.

Wir alle sind nicht perfekt. Wir alle kennen Tage, an denen uns alles zu viel wird. Und manchmal ist jemand laut, nicht weil er böse ist, sondern weil er überfordert ist. Weil ihm das Leben gerade zu eng geworden ist. Das entschuldigt nichts, aber es erklärt vieles. Und genau dort, wo andere zurückschreien, kann ein ruhiger Ton mehr bewirken als jedes Gegenargument – nicht, um Aggression zu rechtfertigen, sondern um sie nicht weiterzufüttern.

Dabei geht es nicht darum, still zu bleiben, bis nichts mehr passiert – denn zu viel Ruhe kann genauso provozieren. Es geht darum, klar zu bleiben, ruhig, aber präsent. So, dass der andere spürt: Ich höre dich, aber ich kippe nicht mit. Und vielleicht ist das Wichtigste überhaupt: echt zu bleiben.


Denn was auch immer man tut, es wirkt nur, wenn es wahr ist. Besonders Kinder, Menschen in Ausnahmesituationen oder mit Beeinträchtigungen haben ein feines Gespür dafür, ob jemand nur „ruhig spielt“ oder wirklich in sich ruht. Sie spüren, ob man sie sieht – oder nur so tut. Echtheit kann man nicht vortäuschen. Sie ist spürbar. Und sie entscheidet darüber, ob Vertrauen entsteht.


Sich einsetzen kann groß sein oder ganz unscheinbar. Manche verändern Systeme, andere einfach Sekunden. Aber jedes Mal, wenn wir uns entscheiden, nicht mitzumeckern, sondern mitzuleuchten, schieben wir die Welt ein Stück in Richtung Wärme. Vielleicht ist das die wahre Stärke: nicht Perfektion, nicht Kontrolle, nicht Überlegenheit – sondern dieses stille, echte Füreinander. Dieses Wissen, dass wir alle mal jemanden brauchen, der uns mitzieht, aufrichtet, erinnert, dass Güte immer eine Option bleibt.


Und vielleicht beginnt Veränderung genau dort – wo einer lacht, obwohl es nicht geplant war. Aber niemals auf Kosten anderer. Sondern so, dass das Lachen alle ein bisschen leichter macht.


Welche Begegnung hat dich zuletzt spüren lassen, dass Echtheit leiser, aber tiefer wirkt als jedes große Wort?




© 2025 Isabella HierzeggerAlle Texte und Inhalte unterliegen dem Urheberrecht.



Dieser Beitrag beschreibt persönliche Gedanken und Beobachtungen und ersetzt keine Beratung.

 
 
 

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